Business Model Canvas: Einmal lesen, alles verstehen.

Dies ist der umfassendste Guide zum Business Model Canvas, den du im Internet finden kannst. Hier lernst du alles, was du wissen musst – in nur einem Durchgang.

In diesem Artikel lernst du, wie du mit einer einzigen Tabelle Geschäftsmodelle analysieren, verstehen und für dich nutzen kannst. Interaktive Quizze helfen dir, das Konzept anhand von Beispielen und Gedankenexperimenten schnell zu verstehen. Wer lieber liest, kann die interaktiven Elemente überspringen und direkt zum Text springen. (Inklusive Inhalte, die ich selbst entwickelt habe – sie stammen aus meinem kostenpflichtigen Online-Kurs SOLOmacher und sind nirgendwo sonst zu finden.)

Wenn du nur wenig Zeit hast, kannst du den Artikel ganz nach unten scrollen – dort findest du einen Podcast, der aus dem gesamten Inhalt und interaktiven Quizzes mit NotebookLM generiert wurde. Beim Hören bekommst du auch einen tiefen Eindruck davon, wie das Business Model Canvas funktioniert.

Inhaltsverzeichnis

Ein Gedankenexperiment zur Entdeckung besserer Geschäftsmodelle

Lass uns direkt mit einem Gedankenexperiment starten: Was würdest du machen, wenn du eine konkrete Geschäftsidee hast?

Lass uns mit einem Gedankenexperiment beginnen, das die Denkweise hinter dem Business Model Canvas veranschaulicht.

Angenommen, du stellst fest, dass du gerne handwerklich tätig bist, und entdeckst ein Produkt, das du bereits verkaufen könntest: ein selbstgebautes Murphy-Bett (auch Schrankbett genannt), das du vor einigen Jahren für dein Kind gebaut hast. Alle, die es gesehen haben, waren begeistert. Also beschließt du, daraus ein Geschäft zu machen.

Wie würdest du vorgehen?

Die meisten Menschen – wahrscheinlich auch du – würden intuitiv folgendermaßen handeln:

  1. Fotos und Videos vom Bett als Werbematerial erstellen
  2. Eine Kostenkalkulation durchführen (Materialkosten liegen bei etwa 600 Euro)
  3. Bilder auf Instagram und YouTube hochladen
  4. Eine einfache Website erstellen mit dem Angebot maßgeschneiderter Betten auf Anfrage
  5. Einen großen Button “Jetzt kostenlos beraten lassen” einbauen
  6. Den Beratungsprozess starten: Kennenlernen, Probleme verstehen, erste Empfehlungen geben
  7. Einen Kostenvoranschlag erstellen, überarbeiten und als Angebot abschicken
  8. Nach Auftragsbestätigung mit dem Bau beginnen

Was hast du damit unbewusst verkauft? Eine Dienstleistung, ein Produkt oder beides?

Ohne es bewusst zu planen, hast du dich für ein sehr spezifisches Geschäftsmodell entschieden: einen Handwerksbetrieb mit erfolgsbasierter Vergütung. Das bedeutet, du arbeitest auf Erfolgsbasis – Anfragen, Kalkulationen und Beratungen sind kostenlos. Erst wenn ein Auftrag zustande kommt und erledigt ist, wirst du bezahlt.

Dieses Modell hat eine entscheidende Schwäche: Die eigentliche Arbeit – Beratung, Kalkulation, Planung und Angebotserstellung – erbringst du kostenlos, und da kaum jemand ein zweites Murphy-Bett bestellt, gibt es selten Folgeaufträge. Du wählst damit ein Geschäftsmodell, bei dem du zwangsläufig doppelt arbeitest, aber nur einmal bezahlt wirst.

Vielleicht denkst du: “Aber so arbeiten doch alle Handwerker. Alle Auftragsarbeiten funktionieren so. Ist das nicht normal?” Diese Denkweise ist ein klassisches “Denken in Analogien”: Das tun, was andere tun. Dass die meisten Handwerker so arbeiten, macht das Geschäftsmodell nicht zwingend gut.

Doch was wären die Alternativen? Man könnte beispielsweise die Betten so konstruieren, dass Kunden sie selbst zusammenbauen können – ähnlich wie bei IKEA. Die Kunden messen ihre Wohnung aus, und du lieferst die vorbereiteten Teile mit einer Bauanleitung. So sparst du Personalkosten und reduzierst deine Logistikkosten.

Mit dieser Entscheidung hättest du dich für ein völlig anderes Geschäftsmodell entschieden: Handel statt Handwerk. Als Händler verdienst du nicht mehr mit deiner Arbeit, sondern mit der Preisdifferenz zwischen Einkauf und Verkauf.

Aber auch dieses Modell hat seine Tücken: Du verlierst die Preissetzungsmacht und musst dich mit tausenden Möbelhändlern messen, die täglich in der Werbung präsent sind.

Gibt es noch andere Möglichkeiten? Genau hier kommt das Business Model Canvas ins Spiel.

Das Business Model Canvas: Ein Werkzeug zur Gestaltung erfolgreicher Geschäftsmodelle

Das Business Model Canvas wurde 2005 entwickelt und ist heute ein weltweit anerkanntes Werkzeug zur Darstellung und Analyse von Geschäftsmodellen. Es hat einen entscheidenden Vorteil: Es gibt dem abstrakten Begriff “Geschäftsmodell” eine klare, greifbare Struktur.

Auf nur einem Blatt Papier deckt das Canvas alle wichtigen Bereiche eines Geschäftsmodells ab und verschafft dir sofort einen Überblick über das gesamte Unternehmen. Alexander Osterwalder, der Entwickler des Canvas, hat es in neun Bausteine unterteilt, die zusammen das gesamte Geschäft abbilden.

Die grundlegende Idee: Ein Geschäftsmodell ist nicht nur eine einzelne Entscheidung – es ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen.

Die neun Bausteine des Business Model Canvas

Das Business Model Canvas besteht aus neun zentralen Bausteinen, die alle wesentlichen Aspekte eines Geschäftsmodells abdecken:

1. Kundensegmente (Customer Segments)

Für wen bietest du dein Produkt oder deine Dienstleistung an? Wer sind deine Zielkunden?

2. Wertangebote (Value Propositions)

Welchen konkreten Nutzen lieferst du? Warum sollten Kunden sich für dich entscheiden?

3. Kanäle (Channels)

Wie erreichst du deine Kunden? Welche Vertriebskanäle nutzt du?

4. Kundenbeziehungen (Customer Relationships)

Wie trittst du mit deinen Kunden in Kontakt? Ist es eine persönliche Betreuung oder eine automatisierte Lösung?

5. Einnahmequellen (Revenue Streams)

Wie verdienst du Geld? Welche Einnahmemodelle hast du?

6. Schlüsselressourcen (Key Resources)

Welche Ressourcen sind essenziell, damit dein Geschäftsmodell funktioniert?

7. Schlüsselaktivitäten (Key Activities)

Was musst du täglich tun, damit dein Geschäft läuft?

8. Schlüsselpartner (Key Partnerships)

Mit wem arbeitest du zusammen? Welche externen Akteure sind wichtig?

9. Kostenstruktur (Cost Structure)

Welche Kosten fallen regelmäßig an, und wie beeinflussen sie deine Strategie?

Anwendung des Business Model Canvas am Beispiel “Bettenbau Hoffmann”

Um das Business Model Canvas greifbarer zu machen, wenden wir es auf unser Gedankenexperiment an. Nennen wir unser fiktives Unternehmen “Bettenbau Hoffmann” – ein Handwerksbetrieb, der sich auf die Maßanfertigung und Montage von Murphy-Betten spezialisiert hat.

Die externe Ausrichtung

1. Kundensegmente

Hoffmann bietet Murphy-Betten für Stadtbewohner an, die wenig Platz haben – sei es als Gästebett, als platzsparende Lösung fürs Home-Office oder für kleine Kinderzimmer.

Doch ist dies wirklich das einzige relevante Kundensegment? Potenzielle weitere Zielgruppen könnten sein:

  • Airbnb-Vermieter, die möglichst viele Gäste auf begrenztem Raum unterbringen möchten
  • Betreiber von Serviced Apartments oder Hotels
  • Innenarchitekten, die maßgeschneiderte Lösungen für besonders kleine Wohnungen entwerfen

2. Wertangebote

Hoffmann hat sich auf robuste und besonders stabile Murphy-Betten spezialisiert. Die Betten wackeln nicht, wenn sie aufgestellt sind. Ein eingebauter Motor und Gasdruckfedern sorgen dafür, dass sich die Betten besonders leicht und sicher absenken lassen.

3. Kanäle

Hoffmanns Vertriebsstrategie ist klassisch: Anzeigen in Lokalzeitungen, Präsenz auf Handwerksmessen und gelegentlich Flyer, die er in seinem Bezirk verteilt. Seine Website dient ihm lediglich als digitale Visitenkarte, generiert aber kaum Kunden.

4. Kundenbeziehungen

Hoffmann wohnt in einem Vorort nahe einer Großstadt. Dort hat er sein Haus und seine Werkstatt, sodass intensiver Kundenkontakt für ihn schwierig ist. In der Regel erhält er einen Auftrag, baut das Bett und danach ist der Kontakt beendet.

5. Einnahmequellen

Hoffmann verdient sein Geld hauptsächlich durch Direktbestellungen zu individuell kalkulierten Preisen. Einen kleinen Nebenverdienst erzielt er durch den Verkauf von Zubehör wie passenden Matratzen und Lampen.

Die interne Ausrichtung

6. Schlüsselressourcen

Zu Hoffmanns wichtigsten Ressourcen zählen:

  • Sein Fachwissen und seine Erfahrung als Bettenbauer
  • Seine vollständig ausgestattete Werkstatt
  • Ein angemietetes Lager für Materialien und fertige Betten
  • Zwei angestellte Handwerker für Produktion und Montage
  • Zwei Fahrzeuge: ein Lieferwagen für kleinere Aufträge und ein LKW für größere Lieferungen

7. Schlüsselaktivitäten

Um sein Geschäftsmodell erfolgreich umzusetzen, muss Hoffmann folgende Aktivitäten ausführen:

  • Design und Entwicklung platzsparender Betten
  • Materialbeschaffung in der richtigen Qualität zum richtigen Preis
  • Marketing und Akquisition zur Gewinnung neuer Kunden
  • Kundengespräche und Auftragsannahme
  • Bettenbau und Fertigung in der Werkstatt
  • Qualitätskontrolle vor der Auslieferung
  • Lieferung und Montage beim Kunden
  • Buchhaltung und Verwaltung des Betriebs

8. Schlüsselpartner

Hoffmann arbeitet mit folgenden Partnern zusammen:

  • Baumarkt als Materiallieferant für Holz, Metall und andere Bauteile
  • Werbeagentur für Marketing und Kommunikation
  • Ingenieurbüro für technische Beratung bei komplexen Konstruktionen

9. Kostenstruktur

Folgende Kosten fallen regelmäßig in Hoffmanns Betrieb an:

  • Materialkosten (Holz, Metall, Scharniere, Mechanik)
  • Produktionskosten (Maschinenwartung, Strom, Löhne)
  • Logistik & Versand (Treibstoff, Fahrzeugwartung, Spedition)
  • Marketing- & Vertriebskosten (Website, Flyer, Anzeigen)
  • Lagerkosten (Miete, Nebenkosten für die Lagerhalle)
  • Entwicklungskosten (Prototypen, Tests, Innovationen)
  • Kundenbetreuung (Reklamationen, Reparaturen, Kundendienst)

Das Business Model Canvas als Werkzeug zur Geschäftsmodelloptimierung

Der eigentliche Zweck des Business Model Canvas ist es, bestehende Geschäftsmodelle zu optimieren. Es hilft dabei, systematisch alle Aspekte eines Unternehmens zu durchdenken und Verbesserungspotenziale zu identifizieren.

Nehmen wir unser Beispiel “Bettenbau Hoffmann” und spielen eine mögliche Optimierung durch:

Was würde passieren, wenn Hoffmann seine Zielgruppe ändert und statt Stadtbewohnern nur noch Airbnb-Vermieter, Serviced Apartments und Innenarchitekten als Kundensegmente definiert?

Während sein Wertangebot – stabile, einfach zu bedienende und sichere Betten – unverändert bleibt, ergeben sich bei den Kanälen sofort große Veränderungen. Statt auf kostspielige und ineffiziente lokale Anzeigen und Messen zu setzen, könnte Hoffmann direkt mit Innenarchitekten und Vermietern in Kontakt treten.

Dies würde seinen Vertrieb grundlegend verändern. Hoffmann müsste nicht mehr mit großen Möbelhäusern oder Online-Giganten um die Aufmerksamkeit der Endkunden konkurrieren – ein Kampf, den er ohne entsprechendes Know-how und finanzielle Mittel kaum gewinnen kann.

Stattdessen könnte er sich auf Kunden konzentrieren, die regelmäßig Aufträge vergeben und langfristige Partnerschaften suchen. Innenarchitekten und Airbnb-Vermieter sind nicht von Kaltakquise genervt, sondern freuen sich über Partner mit spezialisierten, qualitativ hochwertigen Lösungen.

Wozu braucht man das Business Model Canvas?

Die eigentliche Kraft des Business Model Canvas liegt darin, verschiedene Geschäftsmodellvarianten durchzuspielen, bevor du Zeit und Geld investierst. Im Fall von Hoffmann haben wir nur mit dem ersten Element “Kundensegmente” begonnen – du kannst dasselbe mit allen anderen Bausteinen machen.

Was passiert beispielsweise, wenn du die Schlüsselaktivitäten veränderst? Oder wenn du neue Einnahmequellen erschließt? Oder wenn du die Kostenstruktur optimierst?

Das Business Model Canvas ermöglicht es dir, diese Fragen systematisch zu durchdenken und so das optimale Geschäftsmodell für dein Unternehmen zu finden – bevor du auch nur einen Euro investierst.

Fazit: Das Business Model Canvas als Schlüssel zum Erfolg

Das Business Model Canvas ist weit mehr als nur ein theoretisches Konzept. Es ist ein praktisches Werkzeug, das dir hilft, dein Geschäftsmodell ganzheitlich zu verstehen und zu optimieren.

Indem du alle neun Bausteine systematisch durchdenkst und verschiedene Varianten durchspielst, kannst du:

  1. Kostspielige Fehler vermeiden
  2. Versteckte Chancen entdecken
  3. Dein Geschäftsmodell kontinuierlich verbessern
  4. Mit begrenzten Ressourcen maximale Wirkung erzielen

Ob du ein neues Unternehmen gründest oder ein bestehendes optimieren möchtest – das Business Model Canvas gibt dir die Struktur und die Methodik, um fundierte Entscheidungen zu treffen und nachhaltig erfolgreich zu sein.

Das nächste Mal, wenn du eine Geschäftsidee hast, greife nicht sofort zum Taschenrechner oder zur Website-Vorlage. Nimm dir stattdessen Zeit für das Business Model Canvas. Es könnte der entscheidende Schritt sein, der dein Unternehmen von anderen abhebt und zum Erfolg führt.

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chi-zhang
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